Frauen im Kaffeeanbau – Herausforderungen und Chancen

Angelika Ndunguru möchte sich und ihre Mutter selbst versorgen können. Auf dem Hochland in dem Dorf Mahenge, welches nahe der Stadt Mbinga im Südwesten Tansanias liegt, baut sie Mais, Weizen, Bohnen und verschiedene Früchte für den Eigenverbrauch an. Außerdem bewirtschaftet sie rund 0,75 Hektar Land, auf dem circa 800 Kaffeebäumen stehen. Um ihre Kaffeebohnen zu vermarkten, ist sie Mitglied in der Genossenschaft Mahenge Amcos – genau wie 70 andere Frauen aus dem Dorf.

Angelika Ndunguru

Die 1993 gegründete Genossenschaft unterstützt ihre Mitglieder im Anbau von Kaffeebohnen, berät und schult die BäuerInnen zu unterschiedlichen Themen und vermarktet die Kaffeebohnen der Mitglieder. Seit 2012 kommen rund 100 Tonnen der fair gehandelten Kaffeebohnen aus Mahenge jedes Jahr als Würzburger Partnerkaffee nach Deutschland. Für BäuerInnen aus Mahenge ist der Kaffeeanbau eine Möglichkeit Einkommen zu erhalten. Aber wie steht es um die Gleichberechtigung von Mann und Frau im Kaffeeanbau?

Während Frauen rund 50 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeit in Ländern Sub-Sahara-Afrikas übernehmen, sind nur 15 Prozent der Landeigentümer in diesen Ländern Frauen. Dieses Verhältnis spiegelt sich auch in der Arbeits- und Landverteilung im Kaffeeanbau wider. Hier werden weltweit rund 70 Prozent der Arbeiten von Frauen übernommen, wohingegen nur an 20 Prozent (in Tansania: 26 Prozent) der bäuerlichen Betriebe eine Frau an der Führungsposition steht. Diese Zahlen zeichnen die Rolle der Frau im Kaffeeanbau vor allem als Arbeiterin auf den Feldern eines Mannes. Eine genderspezifische Aufteilung der Arbeiten ist allerdings nicht zu beobachten. Verschiedene Studien haben außerdem gezeigt, dass es geschlechterspezifische Produktionsunterschiede in der Landwirtschaft gibt: Nach den Ergebnissen erwirtschaften Frauen einen geringeren Ernteertrag und verkaufen weniger Produkte am Markt. Was sind die Gründe für diese genderspezifischen Unterschiede in der Rollen- und Produktivitätsverteilung?

Landtitel dienen häufig als Sicherheit für Kredite. Können Frauen keine Landtitel oder eine andere Sicherheit vorweisen, bleibt ihnen somit auch der Weg zu Investitionen in ihren landwirtschaftlichen Betrieb versperrt.

Zahlreiche Faktoren, die meist durch historische Entwicklung, soziale Normen und kulturelle Werte beeinflusst sind, bedingen die Rolle der Frau im Kaffeeanbau in Tansania. Vor allem der Zugang zu Ressourcen ist für Frauen oft mit mehr Schwierigkeiten verbunden. Eigentümer der Felder und Ländereien sind meist Männer. Auch wenn die EhepartnerInnen gemeinsam über die Nutzung des Landes entscheiden, ist die Stellung der Frau dadurch doch eine Schwächere. Besonders deutlich wird dies bei dem Zugang zu Finanzdienstleistungen. Landtitel dienen häufig als Sicherheit für Kredite. Können Frauen keine Landtitel oder eine andere Sicherheit vorweisen, bleibt ihnen somit auch der Weg zu Investitionen in ihren landwirtschaftlichen Betrieb versperrt. Verschiedene Studien zeigten außerdem, dass Frauen weniger Zugang zu landwirtschaftlichen Produktionsfaktoren haben. Vor allem der Produktionsfaktor Arbeit ist für Frauen kritisch. Zum einen sollen Frauen neben der landwirtschaftlichen Arbeit auch die Arbeit im Haushalt erledigen und haben somit weniger Zeit zur Verfügung. Zum anderen ist es für eine Frau durch soziale Normen mit mehr Herausforderungen verbunden, ArbeiterInnen anzuheuern. Durch die Doppelbelastung von Haushalt und landwirtschaftlicher Arbeit haben Frauen außerdem weniger Zeit an Fortbildungen teilzunehmen. Dies verstärkt etwaige vorhandene Bildungsunterschiede zwischen Mann und Frau und macht es Frauen nicht leichter, ihre Position im Kaffeeanbau zu verbessern.

All diese Faktoren können den Rollen- und Produktionsunterschied zwischen Mann und Frau im Kaffeesektor erklären. Gleichzeitig muss festgehalten werden, dass eine Generalisierung kritisch zu sehen ist. Je nach der individuellen und familiären Situation können genderspezifische Unterschiede in der Arbeits-, Rollen- und Einkommensverteilung stark differieren.

Bei den nächsten Vorstandswahlen der Genossenschaften Mahenge Amcos soll beispielsweise darauf geachtet werden, dass auch Frauen vertreten sind.

Seit 2019 hat Fairtrade International die fairtrade-Standards für Kleinbauernorganisationen um die Vorlage einer Gender-Strategie für eine stärkere Frauenförderung und mehr Geschlechtergerechtkeit erweitert. Diese Strategie wird nun auch in Mahenge erarbeitet: Bei den nächsten Vorstandswahlen der Genossenschaften Mahenge Amcos soll beispielsweise darauf geachtet werden, dass auch Frauen vertreten sind. Bisher sind Frauen noch nicht Teil des Vorstands, aber haben Sitze in Komitees wie dem Umwelt und Fairtrade-Premium Komitee. Die zunehmende Repräsentation der Frau in Ausschüssen und in Entscheidungspositionen soll ein erster Schritt sein, die Rolle der Frau im Kaffeeanbau zu stärken und so langfristig auf mehr Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau hinzuarbeiten.

Komiteesitzung von Mahenge Amcos

Als selbstständige Kaffee-Bäuerin bleibt Angelika aber mit vielen Herausforderungen konfrontiert und ist auch in Mahenge eher in der Minderheit. Dennoch ist der Kaffeeanbau eine willkommene Einkommensquelle für sie. Besonders durch die Zahlung eines fairen Preises pro Pfund Kaffeebohne erhält sie dadurch Einkommen, mit dem sie selbstbestimmt leben kann.

Katharina Lang

Kaffeeanbau ist nicht gleich Kaffeeanbau – Besuch einer Großplantage

Kaffeebäume soweit das Auge reicht: Eingeteilt in endlose Zeilen stehen tausende Kaffeebäume auf rund 2.000 Hektar Land im Süden Tansanias. Richtig, ich bin heute nicht in Mahenge, wo der Würzburger Partnerkaffee angebaut wird, sondern ca. 100 Kilometer weiter östlich zwischen Mbinga und Songea unterwegs. Dort betreibt ein international agierendes Nahrungsmittel-Unternehmen seit einigen Jahren eine konventionelle Kaffeeplantage.

Bis zum Horizont reicht die Plantage

Doch außer dem Anbau der Kaffeesorte Arabica hat die Plantage wenig mit dem Kaffeeanbau in Mahenge gemeinsam. Auf einer Rundfahrt sehe ich große Maschinenhallen mit etlichen Traktoren und Fahrzeugen, ein umfangreiches Straßennetz sowie eine eigene Weiterverarbeitungsanlage für die geernteten Kaffeebohnen. Außerdem sticht ein Stausee sofort ins Auge, der die ganzjährige Bewässerung der Kaffeepflanzen sichern soll. Immer wieder begegnen mir Gruppen von ArbeiterInnen. Je nach Saison arbeiten hier zwischen 1.000 und 5.000 Menschen. Bringt die Kaffeeplantage also Arbeitsplätze und optimiert die Nutzung des Landes in dieser abgelegenen Region Tansanias?

Schutzkleidung stände wohl nicht immer zur Verfügung und einen Arbeitsvertrag habe hier noch niemand gesehen. Dies führt zu einem erheblichen Risiko für die ArbeiterInnen – gesundheitlich wie finanziell.

Um diese Frage zu beantworten setze ich meine Fahrt in ein nahegelegenes Dorf fort. Dort ist man sich einig, dass die Plantage für viele BewohnerInnen des Dorfes Arbeit schafft, nur müsse man auch sehen, dass die Flächen nun nicht mehr für den Eigenanbau der BewohnerInnen genutzt werden können. Schutzkleidung stände wohl nicht immer zur Verfügung und einen Arbeitsvertrag habe hier noch niemand gesehen. Dies führt zu einem erheblichen Risiko für die ArbeiterInnen – gesundheitlich wie finanziell. Aber auch auf die Umwelt habe sich der intensive Kaffeeanbau auf der Plantage ausgewirkt. Vor allem der Staudamm und die Pestizide führen zu Problemen, so einer der Dorfbewohner. So sei nicht nur weniger Wasser in den Flüssen, sondern das Wasser sei auch mit den Pestiziden verschmutzt. Deshalb sei der Handel mit Fischen in den letzten Jahren stark eingebrochen. Statt dessen habe der Handel mit Obst, Gemüse und Kohle an der Straße, die durch das Dorf führt, zugenommen, weil mehr Menschen aus ganz Tansania zum Arbeiten auf die Plantage kommen.

Meine Reise auf die Kaffeeplantage und in das Dorf hinterlässt ein beklemmendes Gefühl. Gleichzeitig zeigt es mir einmal mehr, wie wertvoll der kleinbäuerliche Anbau in Mahenge ist.

Ein eigener Stausee nur für die Plantage

Meine Reise auf die Kaffeeplantage und in das Dorf hinterlässt ein beklemmendes Gefühl. Gleichzeitig zeigt es mir einmal mehr, wie wertvoll der kleinbäuerliche Anbau in Mahenge ist. Die Bäuerinnen und Bauern in Mahenge können auf ihrem eigenen Land anbauen, ihre Ernte unabhängig verwalten und selbst auf die Umwelt rund um das Dorf Rücksicht nehmen. Durch den Zusammenschluss in der Kooperative Mahenge Amcos haben die Bäuerinnen und Bauern eine Organisations- und Austauschplattform und können ihr Stimme gemeinsam erheben. Kleinbäuerlicher Anbau und selbstverwaltete Kooperativen sind daher Wege für mehr Selbstbestimmung und weniger Abhängigkeit für Kaffee-ProduzentInnen. Genau das Richtige also für unseren fairen Würzburger Partnerkaffee.

Katharina Lang

Wie der WüPaKa entstand

Wie entstand eigentlich die Idee zum Würzburger Partnerkaffee e.V.?
Unser Verein hat viele Väter und Mütter. Eine besondere Schlüsselfigur unseres Projektes ist der Benediktinerpater Athanasius Meixner der Münsterschwarzacher Abtei. Er lebt seit 1967 in Tansania und war 1993 an der Gründung der privaten Kaffee-Kooperative Usambara Cooperative Union in den Usambarabergen im Nordosten Tansanias beteiligt. Etwa 400.000 Kleinbauern leben in Tansania vom Kaffeeanbau, oft in ärmlichsten Verhältnissen. Pater Athanasius war klar, dass ihnen am besten durch ein ausreichendes Einkommen zu helfen ist, das sich nicht nach dem schwankenden Kaffeepreis auf dem Weltmarkt richtet.

Pater Athanasius zu Besuch im Ladencafé. Er freut sich, von Geschäftsführer Klaus Veeh zu erfahren, dass der WüPaKa in den letzten Jahren enorm den Umsatz steigern konnte.

Erst glaubte niemand daran, dass die Ladung hierzulande überhaupt Käufer finden würde. Doch der Kaffee fand zum großen Erstaunen sofort Absatz.

Doch wie kam der erste Kaffee nach Würzburg?
Das Equipment, das von der Abtei Münsterschwarzach in die Benediktiner-Niederlassungen in Tansania geschickt wurde, wurde in Containern verschifft. Diese Container beluden die Mönche für die Rückreise zunächst mit Makonde-Schnitzereien. Als Pater Athanasius erstmals einen ganzen Container mit Kaffee füllte, staunten die Empfänger in Münsterschwarzach nicht schlecht. Erst glaubte niemand daran, dass die Ladung hierzulande überhaupt Käufer finden würde. Doch der Kaffee fand zum großen Erstaunen sofort Absatz.

Gründungsmitglieder
Und so wuchsen die ersten „Wurzeln“ fairen Kaffeehandels zwischen Münsterschwarzach und Tansania. Sie gehören untrennbar zur Geschichte unseres Vereins, der schließlich 1998 ins Leben gerufen wurde. Gründungsmitglieder sind die Missionsbenediktiner (mit „Fair-Handel GmbH“-Vater Bruder Joachim Witt und Pater Athanasius), die Stadt Würzburg (mit besonderem Engagement der Grünen-Stadträtin Benita Stolz), die Diözese Würzburg, das evangelische Dekanat Würzburg, das Missionsärztliche Institut, der Afrika-Club und die Initiative Eine Welt, also der Würzburger Weltladen.

Susann Scharrer